Essstörungen

Alle Essstörungen haben gemeinsam, dass Essen oder Verweigerung von Essen dazu dient, Schwierigkeiten im Leben in den Griff zu bekommen. Heute leidet vermutlich schon jedes zwanzigste Mädchen/junge Frau an Anorexie oder Bulimie, auch bei Männern ist die Tendenz mit 10 % steigend. Unter Binge-Eating leiden 5 % der Bevölkerung. Leichtere Formen der Essstörungen werden laut Robert-Koch-Institut schon bei jedem 5. Kind festgestellt.

Verzerrte Wahrnehmung
Die bekannte Essstörungsforscherin Hilde Bruch hat beobachtet, dass bei Essgestörten häufig eine gestörte Wahrnehmung des eigenen Körperbildes und von Gefühlen sowie eine starke Unzufriedenheit mit sich selbst vorliegt – oft sind diese Personen extrem perfektionistisch und sehr leistungsorientiert. Ein großes psychisches Problem ist, dass die Magersucht den Betroffenen zunächst ein Gefühl von Kontrolle vermittelt und ihr Selbstwertgefühl hebt. Dazu trägt auch bei, dass zunächst häufig mehr Anerkennung von ihrer Umgebung erfahren wird als zuvor. Sie haben das Gefühl, ihr Leben endlich im Griff zu haben.

  • Magersucht (Anorexia nervosa)
  • Ess-Brechsucht (Bulimia nervosa)
  • Episoden von Essänfällen ohne gewichtsregulierende Gegensteuerung (Binge Eating)
  • Psychisch bedingte Fettsucht (Adipositas)

Eine Magersucht besteht, wenn das Gewicht weniger als 85 % des nach Alter und Größe erwartenden Gewichts beträgt. Ein BMI von 17,5 kann als grober Grenzwert dienen. Das niedrige Gewicht wird entweder durch Fasten, exzessiven Sport, Abführ- und Entwässerungsmitteln, Füllstoffe sowie Erbrechen erreicht. Meist wird Wasser in gesundheitsgefährdenden Ausmaßen getrunken (Wassersucht). Folgen sind meist hormonelle Störungen, das Ausbleiben der Regel bei Frauen und Libido-/Potenzverlust bei Männern. Typisch ist, dass sich die Betroffenen trotz ihres Untergewicht als zu dick empfinden.

Nach einer Essstörung folgt häufig eine andere
Der Übergang zur Bulimie ist fließend. Häufig geht eine Anorexie in eine Bulimie über. Kennzeichen sind Heißhungeranfälle mit Essorgien und anschließendem Erbrechen. Auch hier ist exzessiver Sport oder der Missbrauch von Abführmitteln eine häufige Gegenmaßnahme. Das Gewicht ist bei der Bulimie oft normal, sodass sie bei Freunden und Familien lange unbemerkt bleibt.

Hohe Dunkelziffer bei Übergewichtigen
Essanfälle sind auch das Hauptmerkmal des Binge-Eating, doch fehlen gewichtsregulierende Maßnahmen, sodass diese Personen meist übergewichtig sind. Unter den Übergewichtigen gibt es vermutlich eine große Zahl, die unter einer Essstörung leiden. Als Orthorexie wird eine relativ junge Art der Essstörung bezeichnet, die Personen betrifft, die sich zwanghaft richtig oder gesund ernähren wollen.

Lebensbedrohliche Folgen
Störungen im Magen-Darmbereich, Herz-Kreislaufsystem, Nierenschäden, hormonelle Veränderungen sowie Osteoporose sind häufig die Folge. Oft treten gleichzeitig Depressionen, Angst- oder Persönlichkeitsstörungen auf. Hilfe findet sich in verschiedenen Einrichtungen im stationären, ambulanten Bereich oder sogenannten Wohngruppen, in denen die Patienten von einem interdisziplinären Team aus Psychologen, Ökotrophologen, Ärzten, und Sozialpädagogen begleitet werden. In der Ernährungstherapie geht es um Ernährungsthemen (Wissensvermittlung), es werden Essprotokolle besprochen und ausgewertet. Ziel ist eine regelmäßige Mahlzeitenstruktur mit normalen Essportionen sowie eine verbesserte Wahrnehmung von Hunger und Sättigung. Insbesondere das „rigide“ Essverhalten mit Verbotslisten („schwarze Liste“) soll nach und nach abgebaut werden.

Häufige Themen:

  • Körper & Gewicht (Schreckgespenst Waage/Setpoint-Theorie/Wohlfühlgewicht)
  • Nährstoffe
  • Hunger- und Sättigungsregulation
  • Heißhunger
  • Zwischenmahlzeiten
  • Portionsgröße
  • Tagesnormalportionen
  • Light-Produkte
  • Mahlzeitenplanung
  • Risikosituationen
  • Essverhalten/Standortanalyse
  • Genusstraining
  • Essprotokolle/Esspläne

Eine Ernährungstherapie ist eine gute Ergänzung, aber kein Ersatz für eine Psychotherapie!